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Die Knolle hat sich eingefressen. Es hat sich eingenistet und ist hier gewachsen. Du denkst, vielleicht wird es wieder weggehen. Du drückst und drehst doch davon schwillt es nur weiter an. Du versuchst es abzubeißen, zu schlucken, zu verdauen, doch es bleibt. Es ist weich und schwer und langsam. Es fühlt sich ganz gut an. Du hast es aus dir wachsen lassen. Du spürst es in deinem Hals. Deine Backe schwillt an. Etwas wächst aus deiner Achsel. Bewahre es in deinem Mund auf. An manchen Tagen trägst du es auf deinem Rücken herum, an manchen legst du es in eine Ecke deines Zimmers. An anderen Tagen kriechst du rein in den Kloß und bleibst dort für eine Weile.

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Anhang [02-06], AcKu, Hildesheim

Body appendix
2011
Five objects
Tissue, filling materia,l chains, butcher hooks
between 1 and 2,5 m

In den rosa-weißen Stoffobjekten vermischen sich Formen vom Äußeren und Inneren des menschlichen Körpers in einer organischen aber medizinisch sterilen Ästhetik. Die Objekte funktionieren als Skulptur im Raum, können aber auch als Körpererweiterungen getragen werden. Dann umschließen die organischen Formen den Körper, Körperinneres wird zu Körperäußerem und umgekehrt. Am Körper werden die Objekte zu Deformationen, zu dysfunktionalen Prothesen. Lea Petermann thematisiert hier Aspekte unseres traditionellen westlichen Körper- und Schönheitsverständnisses: Perfektion, die ausgewogene, harmonische Form, die reine Oberfläche, der idealisierte weibliche Körper, die Ausgrenzung von Deformation, Dysfunktionalität und Abjekt.